Über Katrin
Ich dachte, ich könnte mich wegdenken.
Therapeutin, Coach, Managerin, Autorin. Und lange überzeugt, dass sich jedes Gefühl aushalten lässt, wenn ich nur klug genug darüber nachdenke. Das ging erstaunlich lange gut. Bis es das nicht mehr tat.
Wegdenken. Und — wie weit bist du damit gekommen?— Hilde

Der Riss
Weggedacht habe ich alles. Weg war nichts.
Schon als Kind hatte ich eine Lösung für unbequeme Gefühle: gründlich nachdenken, bis sie sich erklären ließen. Was sich erklären lässt, dachte ich, verliert seinen Schrecken. Eine Weile war der Verstand mein bestes Beruhigungsmittel.
Aber unter dem Denken lag ein Schmerz, für den ich keine Worte hatte. Ich habe ihn weggedrückt und gehofft, die Zeit heile alle Wunden. Sie tat es nicht. Stattdessen kamen die Ängste — nicht eine, viele. Eine Panik nach der anderen.
Heute verstehe ich, warum: Irgendwann schreit etwas in uns auf, wenn es nicht gehört wird. Wie ein Kind, das, wenn ihm niemand zuhört, alles Mögliche anstellt — nur damit endlich jemand hinsieht. Auch der schlimmste Schmerz will nicht weggemacht werden. Er will angesehen werden.
Der Schmerz war nie das Problem. Mein Kampf dagegen war es.
Also hörte ich auf wegzuschieben und fing an hinzusehen.
Neu angefangen
Also. Noch einmal von vorn.
In der Therapie habe ich dann gespürt — nicht nur verstanden —, wie viel dieser Umweg wert ist. Also bin ich ihm gefolgt: raus aus der alten Sicherheit, noch einmal von vorn. Ich habe mich ausbilden lassen — zur Heilpraktikerin für Psychotherapie, zum Coach —, ausprobiert, mich geirrt, weitergemacht. Ich habe gelesen, was klügere Köpfe herausgefunden haben, und es an mir selbst getestet.
Dabei habe ich vor allem eines gelernt: die einfache Wenn-dann-Lösung gibt es fast nie, so sehr wir sie uns wünschen. (Ich kaufe mir trotzdem jedes neue Putzmittel in der Hoffnung, es putzt von allein.) Ein Mensch ist kein Gerät mit Bedienungsanleitung. Schade eigentlich.

Heute
Ich hatte die Idee. Meine Klienten den Rest.
Heute arbeite ich täglich damit, in meiner Praxis — mit Menschen, die gerade nicht weiterwissen. Denn MindMe ist nicht am Schreibtisch entstanden, sondern im Raum mit anderen. Dort habe ich gesehen, wie oft sich dasselbe wiederholt — und dass eine gute Orientierung auch dann trägt, wenn die Sicht schlecht ist.
Angefangen hat alles mit einer simplen Frage: Wo stehe ich gerade — und was hilft von hier aus weiter? Daraus wurde der Systemkompass, ein kleines Instrument zur Selbstverortung. (Wie er funktioniert, zeige ich dir auf der Systemseite.) Aber ein Werkzeug allein war zu wenig. Es fehlte das Warum dahinter — und die Frage, wie das, was man einmal verstanden hat, auch einen ganz normalen Dienstagmorgen übersteht. Stück für Stück wurde mehr daraus: Bücher, Übungen, kleine Begleiter für unterwegs.
So wurde aus dem einen Werkzeug ein ganzes System — verschiedene Wege mit einem Ziel.
Das eigene Leben nicht nur auszuhalten, sondern zu mögen. Komplikationen inklusive — gerade weil es kein Geländer gibt.
Darin steckt alles, was vorher war — auch die Jahre als Managerin, in denen ich gelernt habe, dass sich komplexe Systeme nicht kommandieren lassen.
Die Praxis selbst ist eine eigene Welt, mit eigener Tür. Wenn du persönliche Begleitung suchst, findest du sie dort.
Ein eigenes Instrument gebaut. Beeindruckend. — Und benutzt du es auch an den Tagen, an denen du lieber recht behalten willst?— Hilde
Hilde, ICH — und wofür das alles
Ich bin hier nicht allein.
Manches lässt sich schlecht allein erzählen. Also habe ich mir Gesellschaft geholt — zwei Figuren, die dir auf diesen Seiten wieder begegnen.
Hilde ist mein Alter Ego — der Teil von mir, der mich immer wieder hinterfragt. In der Comic-Reihe gebe ich ihr ein Gesicht: eine goldene Linie mit Pumuckl-Frisur, nach dem Helden meiner Kindheit. Sie hat genau eine Begabung: Sie fragt. Nie urteilt sie, nie tröstet sie, nie gibt sie eine Antwort. Sie stellt die Frage, die ich mir selbst zu gern erspare.
ICH ist eine Projektionsfläche — für uns alle. Der Teil in uns, der sich rechtfertigt, zögert, sich durchwurschtelt. Meine Figur ist es nicht; es geht nie nur um mich. Es geht um uns.
„Briefe an meine Emotionen", mein erstes Buch, ist erschienen — das Buch, das MindMe erklärt, kommt Ende des Jahres. Dazu kommen Comics, Gespräche und kleine Übungen.


Forschende, keine Ankommende
Ich bin nicht fertig. Das wäre auch schade.
Ich habe keinen Endzustand erreicht, den ich dir verkaufen könnte. Ich stelle immer noch Fragen — Hilde sorgt dafür. Den Umbruch zu wagen war der erste Schritt, nicht der letzte. Was ich dir anbieten kann, ist kein Ziel, sondern eine Haltung: dir selbst zuzuhören, auch wenn es gerade unbequem ist.
Wenn das nach dir klingt, bist du hier richtig.
Gehört.
Gefühlt.
Genug für den Moment.