Das MindMe Konzept
Wie lange überstreichst du
die Risse im Geländer noch?
Wir hätten für jedes Gefühl gern eine Excel-Tabelle und für jede Angst eine saubere Ableitung. Drei Worte reichen: gut, schlecht, gestresst — eine Karte mit groben Strichen. Hauptsache, die Richtung stimmt. Hauptsache, es läuft. Bis das Geländer, an das wir uns klammern, unter den Händen nachgibt — und Excel dazu erstaunlich wenig zu sagen hat.
Man hat dir gesagt, dein Inneres sei kompliziert. Es ist etwas anderes — komplex. Der Unterschied verändert alles. ↓
Und? Läuft das „unter Kontrolle bekommen" soweit?— Hilde

Was du bist
Du bist keine Maschine.
(Auch wenn du es manchmal gern wärst.)
Eine Maschine ist kompliziert: viele Teile, eine feste Anleitung. Knopf drücken, Ergebnis kommt. Klemmt es, reparierst du es. Praktisch. Du bist — leider, oder zum Glück — anders gebaut. Glaub kein Wort davon — prüf es an dir, wenn du magst:
- Ein Morgen, an dem dich eine Kleinigkeit aus der Bahn warf. Und einer, an dem dieselbe Kleinigkeit dich kaltließ. Gleicher Reiz, andere Reaktion. Woran lag's? Du musst nicht antworten — merk nur, wie viele Gründe dir einfallen.
- Versuch, dich gerade jetzt nicht zu ärgern. — Na?
- Und wenn dich abends etwas drückt: Weißt du immer genau, warum? Oder meistens nur, dass da etwas ist?
Darum hilft „reiß dich zusammen" ungefähr so viel wie gegen den Regen anschreien. Du bist kein defektes Problem — du bist lebendig. Und Lebendiges lässt sich nur schwer reparieren. Was zerbricht und sich neu zusammenfügt, wird selten wieder wie vorher — manchmal entsteht daraus etwas ganz Eigenes.
Oder du drückst fester aufs morsche Holz. Wird bestimmt gleich Stahl.— Hilde

Die Auflösung
Komplex heißt nicht kompliziert.
Und das ist die gute Nachricht. Kompliziertes braucht einen Experten und ein dickes Handbuch. Komplexes braucht kein Handbuch — es braucht Orientierung. Du sagst das Wetter nicht voraus, um trocken zu bleiben. Du schaust raus. Heißt: Du musst dich nicht lösen. Du darfst dich lesen. Das System ist komplex. Die Karte ist einfach.
Wir können die Theorie auswendig — und wissen trotzdem nicht, wo wir gerade stehen. Es hilft erst, wenn wir aufhören zu fragen „Was soll ich tun?" und anfangen: „Wo stehe ich — und welcher Hebel gehört mir?" Der Weg dahin hat bei MindMe einen Namen: ANKER.
ANKER — der Weg, dich zu lesen und zu führen.
Die ersten drei — anhalten, nachspüren, kartieren (das ist der Kompass) — gehst du hier. Einwirken und Reintegrieren sind das Anwenden.
Ach. Ratgeber Nummer acht hat also nicht gereicht?— Hilde
Die eine Regel
Kein Ort ist falsch.
Der Kompass zeigt dir, wo du bist — nicht, wo du sein solltest. Und wer eine Weile bleibt, merkt: unter jeder Position liegt mehr. Ein Bedürfnis, das keiner gehört hat. Ein Wert, über den jemand drübergegangen ist. Ein alter Glaubenssatz, der immer noch mitredet. Ein Widerstand, der dich eigentlich schützen will. Das Leiden fängt selten beim Gefühl an — es fängt da an, wo wir uns dagegen stemmen.

Und jetzt
Zu wissen, wo du bist, ist die erste Hälfte.
Die zweite Hälfte ist, was du damit anfängst: auf das Gefühl einwirken, wenn die Welle hochschlägt — und das Erlebte wieder einweben, statt es wegzuräumen. Das ist das Anwenden.
Das Buch „Briefe an meine Emotionen" und ein Übungsraum für jede Emotion entstehen gerade. Kein Trommelwirbel — eine einzige Nachricht, wenn der erste aufmacht.
Gehört.
Gefühlt.
Genug für den Moment.